08.02.2012
„Kiel ist für die Windkraftbranche ein Top-Standort“, sagt Heinrich Lieser – und damit nicht irgendjemand. Heinrich Lieser war lange Jahre oberster Wirtschaftsförderer in Hamburg, heute hochrangiger Manager beim Windkraftanlagen-Hersteller Nordex (Hamburg). Ob Nordex selbst die Potenziale Kiels nutzen wird, ist noch offen. Aber Kiel hat das, so Lieser, was einen Standort für den Konzern interessant macht: Flächen, qualifizierte Arbeitskräfte, Firmen mit einem für die Branche interessanten Leistungsspektrum und Hochschulen.
Kiel ist zwar kein traditioneller Windkraftstandort. Aber die dynamische Branche bietet auch für die Landeshauptstadt noch große Chancen, ist sich der Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi, Peter Beckmann, sicher. Denn allein durch den Aufbau der Windparks in Nord- und Ostsee kommt in den nächsten Jahren auf Häfen und Unternehmen einiges zu. Und parallel werden an Land neue Anlagen errichtet und bestehende durch leistungsstärkere ersetzt. Komplettes Neuland betrete Kiel nicht. Schon heute seien Kiel und die Region „von dieser Zukunftsbranche geprägt“, so Beckmann.
Die KiWi setzt nicht unbedingt darauf, dass sich ein großes Unternehmen der Branche hier mit einen Produktionsstandort niederlassen wird. Aber die Landeshauptstadt will sich mit den frei werdenden Flächen des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG5) in Holtenau stärker als Standort für die Offshore-Windkraft positionieren, und KiWi-Geschäftsführer Beckmann setzt darauf, dass die Firmen der Region die Chancen der Windkraft insgesamt nutzen. Aktuell haben sich schon drei – sehr unterschiedliche – Unternehmen neu in Kiel angesiedelt, alle drei fanden im KiWi-Tower in der Wik geeignete Flächen: Mit der M.O.E GmbH (Itzehoe) ist nun eines der führenden Zertifizierungsunternehmen im Bereich Erneuerbare Energien in Kiel vertreten. Bevor Windparks ans Netz dürfen, müssen die Betreiber den Nachweis erbringen, dass ihre Anlagen nicht die Stabilität des Netzes gefährden. M.O.E. prüft das. Kunden von M.O.E. sind aber auch Anlagenhersteller wie REpower und Netzbetreiber wie E.ON Hanse.
Steffen Bechtel war Hubschrauberpilot des MFG5, bevor er die Firma windpark heliflight consulting gründete. Sie berät in ganz Europa Betreiber und Planungsgesellschaften von Offshore- Windparks in allen Fragen des Flugbetriebs. Mit der Braunschweiger Gruppe Ebert Erneuerbare Energie hat ein Unternehmen Kiel entdeckt, das Wind- und Solarparks sowie Biogasanlagen plant und dabei Finanziers, Grundstückeigentümer, Behörden und Energieunternehmen zusammenbringt und auch die Betriebsführung der Anlagen übernimmt.
Andere Firmen entwickeln den Bereich Windkraft neu: So baut die Werft Abu Dhabi MAR Kiel (ADMK), der frühere zivile Schiffbau von HDW, eine 5500 Tonnen schwere Umspannplattform für einen Windpark in der Ostsee. Die Vater Gruppe, einer der führenden IT-Dienstleister in Norddeutschland, hat für den Nordsee-Windpark BARD die technologische Lösung für die Klimatisierung der Server auf See geliefert und hat Angebote für weitere Projekte abgegeben. ELAC Nautik, Spezialist für Unterwasserakustik (Echolote, Sonare), hat eine Warneinrichtung für U-Boote entwickelt. Die Transponder werden an Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee installiert. Die WPT Nord GmbH ist schon seit mehr als zwölf Jahre in der Windkraftbranche tätig: WPT prüft die Türme auf Risse, kontrolliert die Schweißnähte, kann Verformungen feststellen und begutachtete darüber hinaus potenzielle Windkraftstandorte. Und auch die Hochschulen sind längst stark engagiert. So kooperiert die FH Kiel mit der Fachhochschule Flensburg beim neue Studiengang Master Wind Engineering.
Beim Workshop Offshore-Windenergie in Kiel werden Unternehmen und Experten über Potenziale der Branche informieren: 27. März, 17 bis 20 Uhr,
Wissenschaftszentrum Kiel, Fraunhofer Str. 13
Anmeldung: Daniel Kreutz, 0431/2484-135 oder dkreutz[at]kiwi-kiel.de
Quelle: Jörn Genoux, Kieler Nachrichten, Mittwoch, 8. Februar 2012, Seite 7