Am Wasser, auf dem Wasser, aus dem Wasser – KiWi-Segeltörn zur Kieler Woche 2018

Die Entwicklungsdynamik unserer Stadt ist so groß wie selten zuvor. Am Wasser, auf dem Wasser und aus dem Wasser entstehen neue Technologien, neues Wissen und neue Quartiere, die den Wirtschaftsstandort Kiel besonders machen. Zur Kieler Woche – dem größten Segelevent der Welt – hat auch die Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) die Segel gehisst und überregionale Projektentwickler eingeladen, mit dem Traditionssegler Stortemelk auf Entdeckungsreise zu gehen und sich zu vernetzen.

Kieler Woche, Donnerstag: Am Sartorikai haben die Segelschoner bis in die vierte Reihe festgemacht. An Bord des niederländischen Seglers „Stortemelk“ hat die KiWi heute Gäste geladen: Projektentwickler, Planer, Architekten und andere Akteure der Immobilienbranche bahnen sich über Holzleitern und vorbei an der Takelage der vorgelagerten Schiffe den Weg auf den Traditionssegler.

Den Aufbruch und den Wandel in der Stadt betonen Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und KiWi-Geschäftsführer Werner Kässens in ihrer Begrüßungsrede an Bord. Kiel erweitert sich und erfindet sich neu. Aktuell und in Zukunft wird viel gebaut – sei es in der Innenstadt, im Wissenschaftspark oder am neuen Küstenkraftwerk. Drei der Orte, an denen viel in Bewegung ist und sein wird, stehen heute bei Landgängen auf dem Programm: Das Ostufer rund um den Seefischmarkt ist eins der Wissensquartiere der Stadt. Am Tiessenkai haben sich Unternehmen angesiedelt, die sich in der Aquakultur mit der Gewinnung von Muscheln und mit Produkten aus Algen einen Namen gemacht haben. Und in Friedrichsort wird ein ganzes Areal für die Zukunft revitalisiert.

Die Besatzung der Stortemelk löst die Tampen von den Schiffspollern am Sartorikai, Kapitän Mike de Jonge steuert das knapp 40 Meter lange Schiff in Richtung Förde. Unter Motor läuft der Zweimaster den Seefischmarkt an – und macht direkt vor dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung fest.

Der hier entstehende Erweiterungsneubau mit umfangreicher Laboreinrichtung und Sicherheitstechnik soll 2019 fertiggestellt werden und dann die etwa 1.000 Geomar-Wissenschaftler*innen und -Mitarbeiter*innen an diesem Standort konzentrieren. „Unsere Forschung reicht vom Meeresboden bis in die Atmosphäre“, erklärt Jan Steffen, Referent für Kommunikation und Medien, den Zuhörern. Kieler Wissenschaftler haben die Meeresforschung in Deutschland und der Welt maßgeblich mit geprägt – von der Erfindung des Echolots Anfang des 20. Jahrhunderts bis hin zur heutigen Entwicklung und Weiterentwicklung modernster Forschungsinstrumente, wie zum Beispiel autonomer Tauchroboter.

Zurück an Bord der Stortemelk: Beim Segelsetzen helfen die Segelgäste der Schiffscrew und hissen gemeinsam Segel und Fock. Über dem Westufer ziehen jetzt dunkle Wolken auf und die kommenden drei Stunden wird das Wetter so sein, wie man es in Kiel zur Kieler Woche gewohnt ist: nass.

Nächster Landgang: Der Tiessenkai ist mit dem Holtenauer Leuchtturm und der Nähe zu Schleuse und Nord-Ostsee-Kanal eines der maritimen Zentren Kiels. Hier erwartet die Stortemelk zwei Gäste, deren Unternehmen direkt am Tiessenkai sitzen: Dr. Tim Staufenberger als Inhaber der Kieler Meeresfarm und Dr. Inez Linke als Mitbegründerin der Firma OceanBasis.

Auf aktuell 0,75 Hektar Fläche züchtet der selbsternannte „Muschelschubser“ Dr. Tim Staufenberger seine Kieler Fördemuscheln. Die biozertifizierten Meeresfrüchte werden deutschlandweit verkauft – für 11 Euro pro Kilo. „Nach etwa zwei Jahren ist die Miesmuschel reif. Hier in der Förde wird sie bis zu 8cm groß“, erklärt Tim Staufenberger seinen Zuhörern. „Charakteristisch für die Fördemuschel ist vor allem die dünne Schale.“ Proben habe Tim Staufenberger heute leider nicht mitbringen können – die Muschelsaison beginnt nämlich erst im September.

Die Wirkstoffe aus dem Meer für die Gesundheit der Menschen nutzbar zu machen und dabei das Ökosystem Meer schützen und bewahren – das ist das Ziel von Ocean Basis. Mitbegründerin Dr. Inez Linke zeigt an Bord der Stortemelk, was damit gemeint ist: Wein und Kosmetika hat sie für alle Gäste mitgebracht – gewonnen aus der nachhaltig angebauten Laminaria-Alge.

Für den letzten Abschnitt des Segeltörns begibt sich die Stortemelk zurück auf die Förde und steuert die Kaikante am Gelände des Baumaschinen- und Motorenherstellers Caterpillar in Friedrichsort an. Die Segelgäste werden über das Gelände von Caterpillar zu den nördlich gelegenen Flächen geleitet. Dieses Areal – bestehend aus der Festung Friedrichsort, dem anliegenden Gewerbe- und Industriegelände und dem Falckensteiner Strand – wird in den kommenden Jahren eine umfangreiche Revitalisierung erleben.

100 Jahre Lokbau haben das Gewerbegelände geprägt. Die geplante Ansiedlung von Toshiba Railway Europe soll diese Tradition gleichzeitig fortsetzen und innovieren. „Mit der Ansiedlung von Toshiba für den Bau von Hybrid-Loks am Standort Kiel wird ein Zentrum für Eisenbahntechnik entstehen, das als Motor für eine nachhaltige industrielle Positionierung Kiels auch internationale Ausstrahlung haben wird. Für die Kieler Wirtschaftsförderung ist Toshiba deshalb eines der wichtigsten Ansiedlungsvorhaben der letzten Jahre“, erklärt Werner Kässens, Geschäftsführer der KiWi. Doch nicht nur die Produktion soll auf dem Gelände Einzug halten, der IT-Dienstleister Dataport hat auf 3.000 Quadratmetern Flächen angemietet. Eine Vermietung der Produktionshallen steht noch aus, ebenso können weitere 10.000 Quadratmeter Büroflächen neu verplant werden. Die anliegende Festung ist jetzt schon ein Ort für die Kreativwirtschaft und Startups. Perspektivisch sollen dort zusätzliche gastronomische Angebote, Tagungs- und Konferenzmöglichkeiten entstehen. „In Zukunft wird es hier eine öffentliche Wegeverbindung geben“, sagt Philip Weiß, Projektleiter der KiWi. „So kann jeder an der Entwicklung des Gewerbestandorts teilhaben. Und die Mitarbeiter*innen der Unternehmen haben die Möglichkeit, Pausen und den Feierabend in angenehmer Strand-Atmosphäre zu verbringen.“

Früher Abend: Der Regen lässt langsam nach, am Deich in Friedrichsort scheint jetzt die Sonne. Im Restaurant Deichperle wird der große Holzkohlegrill mit Grillgut befüllt. Mit Blick auf den Leuchtturm Friedrichsort wird der Abend hier ausklingen.