Vom 5. - 9. Oktober 2026 reiste eine Kieler Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Sea Tech Week in Kiels französische Partnerstadt Brest. Organisiert wurde die Reise von der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) und der Landeshauptstadt Kiel.
Die Städtepartnerschaft zwischen Kiel und Brest besteht bereits seit 1964. Beide Städte haben viele Gemeinsamkeiten: Sie sind Hafenstädte, maritime Industrie- und Innovationsstandorte, haben namhafte Wissenschaftseinrichtungen für Ozeanforschung und sie sind Standorte der Marine. In diesem Jahr verbindet Brest und Kiel (zusammen mit Split in Kroatien) zudem das europäische Projekt "Science Comes To Town" und beide Städte haben seit dem Frühjahr 2026 einen neuen Oberbürgermeister.
Diese Gründe führten zu der Entscheidung einen Besuch der Sea Tech Week für Kieler Akteur*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft zu organisieren. Parallel dazu gab es eine offizielle städtische Delegationsreise mit dem Kieler Oberbürgermeister Dr. Samet Yilmaz.
Seit 25 Jahren bringt die Sea Tech Week alle zwei Jahre die internationale maritime Community in Brest zusammen, um über die neusten wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen zu diskutieren. Hochrangige Vorträge und Podiumsdiskussionen, Workshops, eine Ausstellung und ausreichend Zeit zum Netzwerken runden die 3-tägige Veranstaltung im Konferenzzentrum Le Quartz ab.
Die Kieler Delegation präsentierte sich mit einem Messestand den französischen und internationalen Gästen und zog auf diese Weise viel Aufmerksamkeit auf sich. Zudem hatten Mitglieder der Delegation aktive Parts in verschiedenen Panel-Diskussionen. Die Resonanz der teilnehmenden Start-ups und Wissenschaftler*innen war durchweg positiv. Jede*r konnte wichtige neue Kontakte knüpfen und neue Projektkonsortien erschließen.
Neben der maritimen Wirtschaft und der Verteidigungswirtschaft, sind Gesundheitswirtschaft, Digitalwirtschaft, Tourismus, Agri-Food, Banken und Versicherungen sowie Handel und Handwerk Schlüsselsektoren der Brester Wirtschaft. Die wirtschaftlichen Schwerpunkte sind denen der Landeshauptstadt Kiel insgesamt sehr ähnlich.
Zudem stellt sich Brest aktuell in den folgenden Zukunftsthemen auf: Cybersecurity, Drohnen in der maritimen Wirtschaft, Raumfahrt, Erneuerbare Energien aus dem Meer, Health Tech, Kreislaufwirtschaft, Tiefsee, Künstliche Intelligenz, Kultur- und Kreativwirtschaft und Silver Society (alternde Gesellschaft). Diese Themen werden auch in Kiel aktiv vorangetrieben und bieten vielfältige Anknüpfungspunkte für einen zukünftigen Austausch mit den französischen Partnern.
Die Kieler Christian-Albrechts-Universität pflegt seit vielen Jahren einen Austausch mit der Brester Université de Bretagne Occidentale (UBO). Die HAW Kiel kooperiert mit der École Nationale d'Ingénieurs de Brest (ENIB) und das GEOMAR mit dem französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer in Brest. Auch zwischen der Muthesius Kunsthochschule und der École des beaux-arts de Bretagne (EESAB) bestehen fachliche Anknüpfungspunkte.
Die bestehenden Verbindungen zeigen, wie vielfältig der wissenschaftliche und akademische Austausch zwischen beiden Städten bereits aufgestellt ist. Die Städtepartnerschaft bietet zugleich Potenzial, diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und neue gemeinsame Projekte anzustoßen.
Das Stadtbild Brests wird stark durch Werftindustrie und Hafen geprägt. Als Marinestandort wurde die Stadt im zweiten Weltkrieg stark zerstört. Auch dies sind Gemeinsamkeiten zwischen Kiel und Brest. Brest hat es aber erstaunlicherweise geschafft ehemalige Industrieflächen zu öffentlichen Orten zu machen. Les Ateliers des Capucins ist heute der größte öffentliche Platz in Europa. Erbaut 1695 als Kapuzinerkloster wurde das Gelände ein Jahrhundert später von der Marine als Kaserne genutzt. Nach der Industriellen Revolution wurde das Gelände erweitert und beherbergte Gießereien, Kesselschmieden, Maschinenbau, Montage-, Justier- und Elektrowerkstätten für die Herstellung und Reparatur von Schiffen der französischen Marine. Seit 2016 sind die Ateliers des Capucins ein 16 Hektar großer sogenannter „dritter Ort“.
Mit La PAM wurde 2023 ein weiterer „dritter Ort“ in einer ehemaligen Druckerei im Stadtzentrum eröffnet: ein offener Gastronomiebereich, Geschäfte und Kreativorte laden die Öffentlichkeit in dieses Zentrum ein.
Obwohl Brest mit rund 140.000 Einwohnern deutlich kleiner ist als Kiel, wurde 2012 und 2026 je eine Stadtbahnlinie eingeweiht und gehört seitdem zum Stadtbild von Brest. Ein besonderes Highlight ist zudem das Océanopolis, das größte Aquarium Frankreichs, das als wissenschaftliches Kulturzentrum dem Ozean gewidmet ist.
Die Reise nach Brest bot allen beteiligten Kieler Akteur*innen Inspiration für zahlreiche aktuelle Entwicklungsprojekte in Kiel. Die Woche in der französischen Partnerstadt war gefüllt mit interessanten neuen Kontakten, spannenden Einblicken und dem Gefühl, zu Besuch bei Freunden zu sein.
Die ersten Anknüpfungspunkte sind gesetzt und werden schon zeitnah bei dem Besuch einer Brester Delegation in Kiel weiterverfolgt.
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