Neuer Ort für die Konferenz Bahntechnik: HAW Kiel
BahntechnikInnovation
17. Februar 2026
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8. Konferenz Bahntechnik: Innovation entsteht, wenn Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gut vernetzt sind

Die zentrale Botschaft der 8. Konferenz Bahntechnik: Innovation aus Schleswig-Holstein ist möglich, wenn Kooperation geprägt ist durch Expertise, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Der Beirat Bahntechnik und die jährliche Konferenz tragen maßgeblich dazu bei. 

Rund 200 Teilnehmer*innen kamen am Donnerstag, 12. Februar 2026 ins Audimax der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW), um sich bei der 8. Konferenz Bahntechnik über innovative Bahntechnik-Projekte aus Wissenschaft und Wirtschaft auszutauschen und zu vernetzen. Der Umzug der Konferenz aus dem Kieler Wissenschaftszentrum an die HAW war nötig geworden, da die Konferenz von Jahr zu Jahr wächst. Ein Zeichen für den großen Erfolg des Formats! 

Als Hausherr betonte Prof. Dr. Björn Christensen (Präsident der HAW Kiel) in seinem Grußwort, wie wichtig Fragen der „Mobilität der Zukunft“ insbesondere im Kontext des Klimawandels sind. Marktfähige Lösungen sind das Ziel von Forschung und Entwicklung. Dr. Ulf Kämpfer (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel) blickte in seinem Grußwort auf die Bahnprojekte der letzten 12 Jahre zurück, die er als Oberbürgermeister begleitet hat. Die Bilanz fällt geteilt aus: Vieles wurde erreicht, anderes verzögert sich oder ist gescheitert. Er verspricht auch in Zukunft aus Landesperspektive die Schiene im Blick zu behalten. 

Janine Kordes (Vizepräsidentin der IHK zu Kiel) hob die nötigen Rahmenbedingungen in den Vordergrund: Investitionen könnten in Schleswig-Holstein höher sein. Mit der Nennung der „grünen Mobilität“ in der Regionalen Innovationsstrategie und dem REAKT-Reallabor sind die Weichen in die richtige Richtung gestellt, so dass die Branche optimistisch in die Zukunft schauen darf. Tim Hildebrandt (Vorsitzender des Beirat Bahntechnik Schleswig-Holstein) stellte den Beirat als Expert*innen-Gremium vor. Diese Expertise darf von der Politik gerne verstärkt und frühzeitig genutzt werden. Das System Bahn zeichnet sich durch historisch gewachsene Regelwerke aus, die einen sicheren Betrieb gewährleisten, Innovationen jedoch erschweren. Die REAKT-Initiative ist ein wichtiger Baustein für innovative Projekte. Dieser Raum sollte für neue Perspektiven genutzt werden. 

Innovationen im Stadtbahnbereich 

Steffen Plogstert, Experte für Light Rail und Metro Services bei Rambøll (Karlsruhe) und Betriebsleiter (gemäß BOStrab) der geplanten Kieler Stadtbahn stellte in seinem Beitrag die Unterschiede zwischen traditionellen Straßenbahnen und modernen Stadtbahnen vor. Die Innovationen beziehen sich auf Infrastruktur und Bauverfahren, ebenso wie auf Energie und Oberleitungsanlagen, Fahrzeuge, Leit- und Sicherungstechnik, Betrieb und Organisation sowie Sicherheit und Resilienz.

Panel: Erfahrungen mit der Innovation “Akkuzüge” 

Das von Tim Hildebrandt moderierte Panel brachte verschiedene Perspektiven bzgl. der Einführung von Akkuzügen in Schleswig-Holstein zusammen. 2015 entschied sich NAH.SH (Panelteilnehmer Burkhard Schulze) bei der Ausschreibung für zukunftsfähige Fahrzeuge, emissionsfrei und ohne Oberleitung, einen neuen Weg zu gehen. Ein Großauftrag von 50 Fahrzeugen wurde technologieoffen ausgeschrieben.  

Die Stadler Rail AG (Panelteilnehmer Jochen Lenz) entschied sich nach Betrachtung verschiedener Szenarien für Akkuzüge und überzeugte die NAH.SH mit ihrem Konzept. Das Projekt war auch für die Stadler Rail AG ein Novum. Das grundsätzliche Fahrzeugkonzept konnte beibehalten werden, das technische Knowhow war vorhanden, aber die Erfahrung fehlte und die Anordnung der Komponenten musste geändert werden. Größte Herausforderung war die nötige Ladeinfrastruktur. Als Expertin für dieses Thema kam 2017 die DB Energie (Panelteilnehmer Kai Wittig) ins Projekt. Auch im Bereich Ladeinfrastruktur wurden verschiedene innovative Lösungen für Stromabnehmer diskutiert, bis eine geeignete gefunden wurde. 

Seit Ende 2024 sind die ersten Akkuzüge in Schleswig-Holstein auf der Strecke Kiel – Lübeck – Lüneburg unterwegs. Betreiberin ist die erixx GmbH (Panelteilnehmer Enrico Blohm). Auch die NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG (Panelteilnehmer Dr. Karsten Steinhoff) stellt nach und nach ihre Strecken in Schleswig-Holstein auf Akkuzüge um. Die größten Schwierigkeiten hatten die Triebfahrzeugführer zu Beginn beim Laden der Akkus. Mehrfach wurden Oberleitungen beim Verlassen der Bahnhöfe heruntergerissen. Durch mehr Erfahrung und Fahr-Assistenzsysteme konnten diese Probleme inzwischen behoben werden. Laut Dr. Karsten Steinhoff wurde bei der Entwicklung der neuen Züge an Vieles gedacht, trotzdem zeigen sich manche Herausforderungen erst im Betrieb.   

Prof. Dr. Markus Hecht (ehem. Fachgebietsleiter Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin) bestätigte aus wissenschaftlicher Sicht, dass mit den Akkuzügen in Schleswig-Holstein technologisch die beste Lösung gewählt wurde. Die Eisenbahn gilt nicht als innovativ, weil Risikovermeidung im Vordergrund steht und Innovationen ein gewisses Risiko bergen. Trotzdem plädiert er dafür, die Vorteile von Innovation zu nutzen. Elektrisch zu fahren, bedeutet schnelles Beschleunigen, weniger Personal, weniger Kosten und weniger Emissionen. An einigen Stellen sieht Prof. Hecht noch Innovationsbedarf: Zuverlässigkeit und Effizienz lassen sich aus seiner Sicht verbessern durch u.a. eine optimierte Instandhaltung, Einsatz von KI oder Reduktion von Geschwindigkeiten auf Nebenstrecken. 

Abschließend waren sich alle Beteiligten einig, dieses Projekt zeigt, wie innovative Projekte umsetzbar sind, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: ein realistisches und konkretes Ziel, Vertrauen in die beteiligten Akteure, Freiheit in der Umsetzung, Verständnis für die Bedürfnisse aller Beteiligten und sich ergänzende Kompetenzen. Dafür braucht es gegenseitiges Zuhören, die Bereitschaft etwas zu ändern, Spaß am Projekt und das Ziehen an einem Strang. 

Staatssekretärin Susanne Henckel (MWVATT) bringt viel Erfahrung im Bereich Schienenverkehr mit. In ihrem Grußwort betonte sie, dass auch in ihrer aktuellen Position die Bahn eine große Rolle spielt, ob bei der festen Fehmarnbeltquerung oder im Rahmen des Sondervermögens. Nachhaltiger, effizienter, pünktlicher und zuverlässiger möchte sie die Bahn machen. Dieses ehrgeizige Ziel des Landes braucht Bahntechnikunternehmen, gut ausgebildete Fachkräfte und einen engen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der „Exportschlager“ Akkuzüge ist ein gutes Beispiel für Innovation aus Schleswig-Holstein und ein Schritt auf dem Weg, die Schiene fit für die Zukunft zu machen. 

Einblicke in den Konferenztag

Panel auf der Konferenzbühne: Erfahrungen mit der Innovation “Akkuzüge”
Während der Pausen: Zeit zum Netzwerken
Zeit zum Ausprobieren und Netzwerken: Markt der Möglichkeiten
Austausch und Kontakte knüpfen am Rand der Konferenz
Vorstellung von Innovativen Projekte aus der REAKT-Initiative
Zeit zum Ausprobieren und Netzwerken: Markt der Möglichkeiten

Innovative Projekte aus der REAKT-Initiative 

Prof. Dr. Reinhard von Hanxleden gab als Sprecher der Initiative eine Einführung in Strukturen und Aktivitäten der REAKT DATIpilot Innovationscommunity. Fünf Mio. Euro stehen der Initiative für die Erforschung innovativer Mobilitätskonzepte auf der Teststrecke Malente – Lütjenburg zur Verfügung. Sieben geplante Projekte konnten auf der diesjährigen Konferenz vorgestellt werden. Neben dem schon geförderten Koordinierungs-projekt zum Aufbau einer gemeinsamen Wissensplattform (Prof. Dr.-Ing. Michael Prange, Projekt DataTrain) wurden Projekte zu folgenden Themen vorgestellt: 

1. Verlagerung von Personen- und Kleingüterverkehren auf Bus, Bahn und Fahrrad, 
2. Entwicklung und Umsetzung eines offenen Leichtbauschienenfahrzeuges für den ländlichen Raum, 
3. Autonome Kopplung mobiler, schienengebundener Plattformen mit Remote-Überwachung, 
4. Intelligente Sicherheits- und Assistenzsysteme für Fahrgäste in autonomen Nahverkehrszügen, 
5. Solargestützte Leitfahrzeuge für reaktivierte Nebenstrecken und 
6. Autonome Schienenfahrzeuge & Reaktivierung in ländlichen Tourismusregionen: Bewertung neu denken. 

Studentische Projekte im Rahmen der REAKT-Initiative 

David Horn (Informatik-Student an der CAU) präsentierte in seinem Beitrag die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit, die im Rahmen der REAKT-Initiative entstand. Er zeigte ein modulares Sensor-Test-Framework für autonome Schienenfahrzeuge.

Studierende des M.A. Medical Design Studiengangs an der Muthesius Kunsthochschule stellten abschließend die Ergebnisse ihres Praxisseminars (Betreuung Prof. Detlef Rhein) vor. In drei Gruppen erarbeiteten die Studierenden drei unterschiedliche Entwürfe für ein Testvehikel auf der REAKT-Teststrecke Malente – Lütjenburg. Entstanden sind drei inspirierende Zukunftsvisionen für einen autonomen, schienengebundenen Verkehr. 
Hinweis: Die Folien dieser Präsentation werden nachgereicht

Netzwerken auf dem „Markt der Möglichkeiten“ 

Dieser Blick in die Zukunft regte die Konferenzteilnehmer*innen zu Diskussionen an, die beim anschließenden Netzwerken intensiv fortgeführt wurden. Auf dem erneut gut bestellten „Markt der Möglichkeiten“ wurden die Kontakte zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie zwischen Studierenden und Unternehmen weiter vertieft. 

Wir danken allen Unternehmen, Wissenschaftler*innen und Studierenden für diese inspirierende Konferenz und freuen uns auf die 9. Konferenz Bahntechnik in 2027! 

Seien Sie dabei!

Sitzungen des Beirats Bahntechnik
Freitag, 06. März 2026 - 13:30 bis 15:30 Uhr
Freitag, 22. Mai 2026 - 13:30 bis 15:30 Uhr

Kontakt für Fragen und Anmeldungen: 
Dr. Barbara Weig
Tel. : 0431 - 2484 136
Mail: bweig@kiwi-kiel.de

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