Ein Material, das zu über 99,9 Prozent aus Luft besteht – und trotzdem elektrisch leitfähig sowie mechanisch belastbar ist? Was zunächst ungewöhnlich klingt, bildet die Grundlage für die Technologie des Kieler Start-ups AERO MATERIALS.
Das Team von AERO MATERIALS entwickelt auf Basis des an der CAU Kiel erforschten Nanomaterials Aerographen eine grundlegend neue Art von Vakuumgreifern, die ohne Kompressor, Schläuche oder Ventile auskommen. Statt zentral erzeugtem Unterdruck entsteht das Vakuum direkt am Greifpunkt – energieeffizient, leise und mit über 90 Prozent geringerem Energieverbrauch als herkömmliche Systeme. So werden Automatisierungsprozesse nicht nur energieeffizienter, sondern auch wartungsärmer und flexibler.
Gegründet wurde AERO MATERIALS unter anderem von Caprice Mohr und Niklas Dreiskämper. Gemeinsam mit den Ingenieuren Kaare Ingwersen, Roman Kurberg und Paul Sager arbeitet das Team daran, diese Spitzentechnologie aus der Forschung in die industrielle Praxis bringen.
AERO MATERIALS steht beispielhaft für die Innovationskraft des Wissenschaftsstandorts Kiel: Aus langjähriger Forschung entsteht eine Technologie, die das Potenzial hat, industrielle Automatisierung neu zu denken.
Wir haben einmal genauer bei AERO MATERIALS nachgefragt, wie sie bisher auf ihrem Weg in der Gründungszene in Kiel, sowohl finanziell als auch fachlich, unterstützt wurden und was für sie das Besondere am Kieler Wirtschaftsstandort ist.
Kiel ist für uns vor allem deshalb besonders, weil unsere Technologie direkt aus der Forschung der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel (CAU) stammt, genauer gesagt aus der Arbeitsgruppe für Funktionale Nanomaterialien von Prof. Rainer Adelung. Wir pflegen immer noch eine enge Zusammenarbeit vor allem in Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus profitieren wir stark vom Kieler Gründungsnetzwerk: Es gibt zahlreiche hilfreiche Veranstaltungen, etwa von Startup SH, der starterkitchen, der Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein (WTSH), der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi), dem Kieler Innovations- und Technologiezentrum (KITZ) und noch viele weitere Möglichkeiten, sich zu vernetzen. Dabei merkt man deutlich, dass sich alle in der Szene engagieren, füreinander interessieren und versuchen, Tipps zu geben und sinnvolle Kontakte herzustellen.
Unser Büro befindet sich auf dem Gelände der Technischen Fakultät der CAU Kiel. In Kooperation mit der Universität können wir dort außerdem die Labore mitnutzen. Das ist für uns sehr wertvoll, weil wir dadurch Zugriff auf hochwertige Laborinfrastruktur haben und uns voll auf die Produktentwicklung konzentrieren können. Auch die Nähe zur Arbeitsgruppe, aus der unser Material stammt, ist super hilfreich für einen schnellen und unkomplizierten Austausch.
Finanziell werden wir von unseren Investoren unterstützt, darunter Kai Kruse und Jörg Haupt, die uns nicht nur Kapital, sondern auch ihr langjähriges betriebswirtschaftliches Know-how und wertvolle Tipps mitgeben.
Inhaltlich zur Technik kam die wichtigste Beratung von Prof. Rainer Adelung und seiner Arbeitsgruppe, die uns fachlich eng begleiten. Und wie bei der Standortfrage schon erwähnt: Über die vielen Events und Netzwerktreffen in Kiel haben wir eine ganze Reihe toller Leute kennengelernt, die uns immer wieder mit Tipps und Kontakten weitergeholfen haben.
Neben dem breiten Kieler Netzwerk, das wir schon erwähnt haben, war für uns vor allem unser Beirat ein wichtiger fester Anker. Er begleitet uns nicht nur punktuell bei einzelnen Events, sondern kontinuierlich bei wichtigen strategischen Entscheidungen und hat uns geholfen, gezielt weitere Industriekontakte zu knüpfen.
Wertvoll war auch der Austausch mit anderen Ausgründungen, die ebenfalls auf dem Campus der Technischen Fakultät arbeiten und die wir immer wieder nach Tipps fragen konnten.
Wie oben bereits kurz erwähnt haben wir das große Glück, von Anfang an mit sehr starken Investoren an Bord gegründet zu haben.
Das gibt uns eine gute finanzielle Grundlage, um uns voll auf den Fortschritt und die Weiterentwicklung unseres Produkts zu konzentrieren. Zum Start stärkt uns das immens den Rücken, wir wissen, aber auch dass es schnell zu einer Situation kommen kann, wo wir neue Mittel einwerben müssen, um weiterzukommen.
Deshalb sollte man sich schon im Voraus Gedanken machen, wie man das angehen will. Setzt man von Anfang an alles in Bewegung oder wartet man auf die richtigen Gelegenheiten? Unser Tipp: absoluter Fokus darauf, etwas an den Markt zu bringen, und sich dabei nicht zu sehr abhängig von Förderung machen.
Die Vorbereitung auf die Finanzierungsgespräche fand bei uns noch vor der eigentlichen Gründung statt, und dabei hatten wir gute Unterstützung.
Seit der Gründung lag unsere größte Herausforderung darin, Potenzialkunden zu finden, die bereit sind, unser Modul außerhalb unserer Uni-Labore in ihren eigenen Anlagen zu testen. Vor allem Cold Calling über LinkedIn hat dabei kaum funktioniert. Aber immer wenn wir die Gelegenheit hatten, direkt mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen (z.B. auf Messen), waren sie begeistert.
Aktuell starten wir nun mit der Pilotierung unserer ersten Module.
Fokussiert Euch früh auf einen konkreten, greifbaren Anwendungsfall, auch wenn die zugrundeliegende Technologie viel breiter einsetzbar ist. Das war bei unserem vielseitigen Material essenziell, um uns nicht zu verzetteln und einen Use Case mit voller Energie in den Markt zu bringen. Sucht Euch außerdem Partner, die euch praxisnah bei der industriellen Weiterentwicklung unterstützen.
Wir haben gemerkt, dass die Anwender*innen aus der Praxis die besten Tipps geben, die wir dann direkt in unser Produkt einfließen lassen konnten. Achtet dabei aber auch darauf, Eure Eigenständigkeit zu behalten, zum Beispiel bei der Frage von Exklusivität in Partnerschaften. Und: Sichert Euch früh geistiges Eigentum (Patente, Designs, etc.), bevor ihr in Gespräche mit potenziellen Partner*innen geht.
Wir suchen aktuell aktiv nach Pilotpartner*innen aus der Industrie, mit denen wir den Vakuumgreifer gemeinschaftlich und praxisnah weiterentwickeln, pilotieren und perspektivisch produzieren und/oder vertreiben können.
Kontakte zu Produktionsunternehmen mit Automatisierungs-/Greifbedarf (z. B. Pick & Place, sensible/reine Umgebungen) wären daher besonders wertvoll.
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