Was passiert, wenn eine Handvoll Safran, heiße Milch und eine WG-Küche aufeinandertreffen? 2016 war das der Ausgangspunkt für muditā – und nach zahlreichen Experimenten entstand daraus ein Safransirup aus Bio-Akazienhonig, persischem Safran, Bio-Rosenwasser und Gewürzen.
Heute führen Gründer Philip R. Khosh und Marcus Heyn, Küchenmeister und Hotelbetriebswirt, das Kieler Food Start-up muditā gemeinsam. Ihr Ziel: Safran unkompliziert und vielseitig in den Alltag zu bringen. Ein bis zwei Teelöffel des Sirups genügen für Kaffee, Milch- oder Haferdrink, Matcha oder Sprudel und verleihen ihnen eine besondere, warme und florale Note.
Dabei steckt hinter dem Produkt weit mehr als eine ungewöhnliche Rezeptur: Von der ersten Idee über 1001 Experimente bis zur Patentanmeldung hat das Team die Verarbeitung des Safrans immer weiter verfeinert.
Seit 2022 nutzt muditā zudem das bei der Sirupherstellung entstehende Extrakt für eigene Craft-Limonaden und verfolgt damit konsequent den Ansatz, die eingesetzten Rohstoffe möglichst vollständig zu nutzen.
Muditā bedeutet „Mitfreude“ – Freude, die größer wird, wenn man sie teilt. Genau das verbindet das Kieler Start-up mit seinem Anspruch, guten Geschmack, sorgfältig ausgewählte Bio-Zutaten und einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen zusammenzubringen.
Wir haben einmal genauer bei muditā nachgefragt, wie sie bisher auf ihrem Weg in der Gründungszene in Kiel, sowohl finanziell als auch fachlich, unterstützt wurden und was für sie das Besondere am Kieler Wirtschaftsstandort ist.
Kiels größter Vorteil ist die Nähe. Die Wege sind kurz und die Szenen überschneiden sich: Gründung, Gestaltung, Wissenschaft, Gastronomie, Handel und Kultur kommen schnell miteinander ins Gespräch. Für uns war Kiel deshalb kein theoretisches „Ökosystem“, sondern ein echtes Testfeld: Cafés, Concept Stores, Märkte, Hotels und Saunapartner haben unsere Produkte ausprobiert, weiterentwickelt und über Jahre nachbestellt.
Besonders wertvoll ist, dass man in Kiel früh sichtbar werden und zugleich nah an den Menschen bleiben kann. Die Muthesius Kunsthochschule hat die gestalterische DNA unseres Gründungsteams geprägt; Formate rund um opencampus.sh, das Waterkant Festival und die Kieler Woche haben Begegnungen, Feedback und Reichweite ermöglicht. Aus diesen Beziehungen ist eine kleine, verlässliche Community entstanden, die heute unsere Basis für den nächsten Schritt über Kiel hinaus ist.
Unser Firmensitz und unsere organisatorische Basis liegen am Jungfernstieg in Kiel. Strategie, Marke, Vertrieb und Partnerarbeit steuern wir von hier aus. Wir arbeiten bewusst schlank und unterhalten keine eigene Fabrik in Kiel; produziert wird mit spezialisierten, biozertifizierten Partnern.
Die wertvollsten Räume waren für uns häufig die Orte unserer Partner: lokale Cafés und Concept Stores wie Phollkomplex, Chilli Vanilli und die Food Coworking Kitchen Cocina wurden zu echten Produkttestflächen. Veranstaltungen in der starterkitchen.de, das Waterkant Festival und die Kieler Woche waren wichtig für Austausch, Sichtbarkeit und unmittelbares Kundenfeedback. Infrastruktur bedeutet für uns deshalb nicht nur Büro oder Produktionshalle, sondern vor allem Orte, an denen ein Produkt im echten Alltag erlebt wird.
Finanziell wurde Muditā zunächst vor allem durch Eigenmittel, Gesellschafter- und private Darlehen aufgebaut. Seit 2026 ergänzt Mikromezzanin-Kapital der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG) diese Basis. Das passt zu unserer Phase, weil es uns Zeit für kontrollierte Markttests gibt, ohne Wachstum um jeden Preis zu erzwingen.
Mindestens ebenso wichtig war die fachliche Unterstützung. opencampus.sh und das Gründerlab, die Impact Factory, die Schleswig-Holstein Mentoren und das Waterkant Festival-Netzwerk haben uns mit Sparring, Kontakten und ehrlichen Rückfragen begleitet. Dazu kamen Forschungspartner in der frühen Produktentwicklung, die gestalterische Arbeit aus dem Umfeld der Muthesius Kunsthochschule sowie spezialisierte Partner für Produktion, Lebensmittelrecht, Logistik, E-Commerce und Vertrieb. Auch die lokalen Cafés und Händler waren Unterstützer: Sie haben nicht nur gelobt, sondern bestellt, getestet und konkrete Rückmeldung gegeben.
Mentor*innen waren für uns vor allem ein guter Spiegel. Sie haben Annahmen hinterfragt, Rollen im Team geschärft und uns gezwungen, Finanzierung, Preise und Vertriebswege sauberer zu erklären. Gerade bei einer neuen Produktkategorie ist das wertvoll, weil man als Gründer sehr lange und sehr nah am eigenen Produkt arbeitet.
Lokale Netzwerke haben zusätzlich Türen geöffnet. Eine passende persönliche Empfehlung zu einem Café, einem Markt oder einer Fachperson war oft mehr wert als ein großer allgemeiner Verteiler. Entscheidend ist für uns aber: Ein Netzwerk ersetzt weder ein gutes Produkt noch konsequente Arbeit. Es wird dann stark, wenn die Frage konkret ist und beide Seiten wissen, wie sie einander helfen können.
Wir sind nicht als klassischer Venture-Capital-Case gestartet. Muditā wurde über Bootstrapping, Eigenmittel sowie nachrangige Gesellschafter- und private Darlehen aufgebaut. Hinzu kommt seit 2026 Mikromezzanin-Kapital der MBG Schleswig-Holstein. Für den Ausbau von Direktvertrieb, Vertriebsteam und Working Capital sprechen wir gezielt mit Business Angels und strategischen Partnern, die neben Kapital auch Erfahrung im Food-, Handels- oder D2C-Geschäft mitbringen.
Unser wichtigster Tipp: Nicht mit einer möglichst großen Zahl starten, sondern mit einem klaren Meilenstein. Wofür wird das Geld konkret gebraucht, was soll damit bewiesen werden und welche Entscheidung folgt danach? Das Finanzierungsinstrument muss zur Phase passen. Bei physischen Produkten sollten Gründer*innen außerdem Produktion, Lager und Zahlungsziele früh mitrechnen; Wachstum bindet oft zuerst Liquidität. Und: Zahlen lieber kleiner und belastbar als groß und erklärungsbedürftig darstellen. Eine aktuelle Planung und ein sauberer Datenraum schaffen Vertrauen.
Die erste große Herausforderung war, aus einer guten Rezeptur ein zuverlässig herstellbares Lebensmittel zu machen: Haltbarkeit, Konsistenz, Qualität, Verpackung, Zertifizierung, Produktion und Logistik mussten zusammenpassen. Die zweite war die Erklärung einer neuen Kategorie. Bei „Safransirup“ versteht nicht jede Person sofort, wie er schmeckt, wie wenig man davon braucht und wie vielseitig er sich einsetzen lässt. Die dritte Herausforderung ist Fokus. Mit einem kleinen Team kann man Onlinehandel, Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel nicht gleichzeitig maximal ausbauen.
Zudem ist es für uns als Food Start-up herausfordernd, dass Rohstoffe, Verpackung und Produktion vorfinanziert werden müssen noch bevor Umsatz entsteht und dass B2B-Bestellungen oft saisonal und unregelmäßig sind. Wenn aber ein Lebensmittel im Alltag ankommt und sein Qualitätsversprechen dauerhaft erfüllt, besitzt es zugleich ein starkes Wiederkaufspotenzial.
Wir haben gelernt, belegte Ergebnisse, Annahmen und Ziele strikt zu trennen und Unsicherheit offen zu benennen. Das wirkt kurzfristig weniger spektakulär, ist aber langfristig die bessere Grundlage für Vertrauen.
So früh wie möglich mit echten, zahlenden Kund*innen testen. Ein Kompliment ist schön, eine Nachbestellung ist Information. Formuliert pro Phase eine zentrale Lernfrage und investiert nur so viel, wie nötig ist, um sie belastbar zu beantworten. Haltet Liquidität, Lager, offene Forderungen und Deckungsbeiträge aktuell; bei einem physischen Produkt entscheidet Working Capital oft früher über das Tempo als die große Vision.
Außerdem: Holt Euch Hilfe konkret. „Wir brauchen Kontakte“ ist schwer zu beantworten; „Wir suchen zwei inhabergeführte Cafés in Hamburg, die einen Safran Latte testen“ ist sofort anschlussfähig. Und bewahrt bei aller Beratung die eigene Sprache und Haltung. Ein Start-up muss lernen, ohne bei jeder neuen Meinung seine Identität zu wechseln.
Am meisten helfen uns wenige, passende Verbindungen: persönliche Vorstellungen bei inhabergeführten Cafés, Hotels, Saunen, Concept Stores und ausgewählten Premium-Märkten in Kiel, Hamburg und Berlin. Dort können Menschen das Safran-Ritual erleben und später zuhause fortsetzen.
Außerdem suchen wir den Austausch mit Business Angels und strategischen Partnern, die Lebensmittel, Handel, D2C und Working Capital aus eigener Erfahrung kennen. Hilfreich sind auch Menschen, die unseren Safransirup zuhause über mehrere Wochen testen und uns ehrlich sagen, was verständlich ist, was zum Wiederkauf führt und wo noch Reibung entsteht. Wir suchen keine möglichst breite Aufmerksamkeit, sondern einige starke Partner, mit denen wir das in Kiel gelernte Modell sauber weitertragen können.
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