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14. September 2026
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Kieler Start-up Spotlight: VPO denkt die Vertretungsplanung neu

Im Schulalltag sorgen Krankmeldungen, Fortbildungen oder andere Ausfälle dafür, dass der ursprüngliche Stundenplan ständig angepasst werden muss. Für Schulen gehört die Vertretungsplanung damit täglich zu den aufwendigsten Verwaltungsaufgaben.

Und gleichzeitig hängt der Prozess häufig an einer einzelnen Person und muss jeden Tag aufs Neue unter Zeitdruck funktionieren: Wer übernimmt welche Stunde? Wer hat Zeit? Und wie lässt sich das alles möglichst fair und effizient organisieren?

Genau diese Herausforderung erlebte Can Beck, als er nach seiner Forschung am Fraunhofer-Institut als Mathematiker an eine Schule wechselte. Gemeinsam mit seiner Frau Selma Beck entstand daraus die Idee für VPO Vertretungsplanung: eine Software, die Vertretungsplanung dezentral und automatisiert organisiert. Was zunächst als Freizeitprojekt begann und schnell die erste Schule überzeugte, wurde 2024 für beide zum Vollzeitprojekt.

Das Kieler Start-up setzt dabei auf einen leistungsfähigen Algorithmus, der Planungsdaten in Echtzeit verarbeitet und passende Vertretungslösungen findet.

Lehrkräfte können sich über einen digitalen Marktplatz zudem aktiv an der Planung beteiligen.Das Ergebnis: weniger Verwaltungsaufwand, mehr Flexibilität für Schulen und Lehrkräfte und wieder den Freiraum für das was eigentlich zählt, der Unterricht.

Screenshot VPO Software

Wir haben einmal genauer bei VPO Vertretungsplanung nachgefragt, wie sie bisher auf ihrem Weg in der Gründungszene in Kiel, sowohl finanziell als auch fachlich, unterstützt wurden und was für sie das Besondere am Kieler Wirtschaftsstandort ist.

Was bietet Euch Kiel als Gründungsstandort für Vorteile?

Kiel hat für uns vor allem einen großen Vorteil: die kurzen Wege – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Man kommt hier schnell mit den richtigen Menschen an einen Tisch. Sei es in der Politik, Wirtschaft oder in der Verwaltung. 

Und für uns persönlich fast genauso wichtig: die Nähe zum Wasser. Nach einem langen Arbeitstag noch kurz an den Strand oder aufs Wasser zu können, ist ein ziemlich gutes Standortargument (auch wenn es in keinem Businessplan auftaucht).

Welche Infrastruktur in Kiel nutzt Ihr für Euer Start-up, welche sind bisher besonders wertvoll?

Noch vor der eigentlichen Gründung hatten wir einen Arbeitsplatz in der starterkitchen von opencampus.sh. Für uns war das ein idealer Einstieg: Wir haben uns von Anfang an selbst finanziert und konnten dort für nur 20 Euro mit einem eigenen Arbeitsplatz starten. Gerade in einer frühen Phase ist so ein niedrigschwelliger Zugang enorm wertvoll, man braucht für eine gute Idee ja nicht gleich ein repräsentatives Büro.

Seit unserer Gründung sitzt VPO im Wissenschaftszentrum Kiel. Neben den Räumlichkeiten schätzen wir dort besonders das Umfeld.

Für uns waren beide Orte zur richtigen Zeit genau richtig: Die starterkitchen hat den Einstieg leicht gemacht, das Wissenschaftszentrum bietet uns heute ein professionelles Umfeld für die nächste Phase.

Welche Art von Unterstützung (finanziell, beratend, etc.) habt Ihr bisher auf Eurem Weg von wem erhalten?

Eine sehr konkrete Unterstützung war für uns der Seed-Bonus der WT.SH für ein Projekt zur Weiterentwicklung unserer Software. Durch diese Förderung konnten wir unseren ersten Mitarbeiter einstellen, ohne das finanzielle Risiko komplett allein tragen zu müssen. Hilfreich war auch die Begleitung darüber hinaus: Die WT.SH hat uns Struktur gegeben, nachgefragt und passende Kontakte vermittelt.

Welche Rolle haben Mentor*innen oder lokale Netzwerke bei dem Aufbau Eures Start-ups gespielt?

Für uns war vor allem der persönliche Austausch mit anderen Kieler Start-ups sehr wertvoll. Wir haben alle ähnliche Themen: von den kleinen und großen Herausforderungen eines Gründeralltags bis hin zu den bürokratischen Hürden. Es hilft, wenn man sich darüber nicht nur gemeinsam ärgern, sondern auch Erfolge zusammen feiern kann. Mit einem befreundeten Start-up feiern wir inzwischen jedes Jahr Weihnachtsfeier. - Grüße gehen raus ;-) 

Genauso wertvoll war der Austausch mit erfahrenen Unternehmer*innen aus Kiel und aus der Schulsoftware-Branche. Viele dieser Kontakte sind ganz unkompliziert über unsere Kunden, Hobbys oder sogar über unsere Kinder entstanden. Das sagt viel über Kiel aus: Man hält Norddeutsche zwar gern für wortkarg – aber bei konkreter Unterstützung sind sie erstaunlich gesprächig und hilfsbereit.

Auch die Kieler Startup- und Wirtschaftsnetzwerke sind ein gutes Umfeld. Sie bringen Menschen zusammen und sorgen dafür, dass aus einem ersten Gespräch ein hilfreicher Kontakt werden kann.

Bootstrapping, Venture Capital, Fördermittel, Darlehen, ... wie seid Ihr finanziert und welche Tipps habt Ihr für andere Start-ups auf der Suche nach Kapital?

Wir sind ganz klassisch aus dem Wohnzimmer heraus gestartet und haben VPO von Anfang an gebootstrapped. Für uns war das der richtige Weg: Wir konnten frei entscheiden, unser eigenes Tempo gehen und mussten unser Unternehmen nicht an den Erwartungen externer Kapitalgeber ausrichten.

Gleichzeitig sind wir dankbar dafür, wie viele Finanzierungsmöglichkeiten es in Kiel und Schleswig-Holstein gibt. Der Seed-Bonus der WT.SH war für uns ein sehr guter Hebel und auch die MBG Schleswig-Holstein hat uns immer wieder ihre Unterstützung angeboten.

Unser Tipp wäre deshalb: Es lohnt sich, genau zu überlegen, was man möchte – und dann die Finanzierung danach auszurichten. Gerade Förderprogramme können ein guter Weg sein, Wachstum zu ermöglichen, ohne dafür unternehmerische Freiheit aufzugeben.

Was waren Eure größten Herausforderungen auf Eurem Weg bis heute und insbesondere bei der Suche nach externen Finanzmitteln?

Unsere größte Herausforderung ist gerade, die Zukunft von Schule mitzugestalten, obwohl heute noch niemand genau weiß, wie sie aussehen wird. Wie verändert KI den Unterricht, die Schulorganisation und die Rolle von Lehrkräften? Und welche Aufgaben sollen Menschen künftig überhaupt noch selbst übernehmen?

Mit VPO sind wir in diesem Wandel sehr weit vorne mit dabei: Unsere KI-gestützte Sprachsteuerung ermöglicht z. B. Krankmeldungen per Spracheingabe und stößt Prozesse direkt an. Unser Ziel ist klar: KI soll Verwaltung reduzieren und Lehrkräften Zeit für das zurückgeben, was Technologie nicht ersetzen sollte – Beziehung, Unterricht und Bildung.

Bei externen Finanzmitteln lag unsere Herausforderung bislang weniger im Zugang als in der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Bisher haben wir VPO bewusst unabhängig weiterentwickelt. Für die nächste Skalierungsphase schließen wir externes Kapital aber ausdrücklich nicht aus. Entscheidend ist für uns, dass es strategisch zu VPO, unserem Wachstum und unseren langfristigen Zielen passt.

Was könnt Ihr anderen Gründer*innen als Tipps mit auf den Weg geben?

So früh wie möglich mit echten Nutzer*innen sprechen und genau hinhören. Wir haben VPO aus einem konkreten Problem im Schulalltag heraus und mit den Schulen gemeinsam weiter entwickelt. Das hilft bis heute enorm.

Und ein bisschen Gelassenheit schadet nicht: Gründen bedeutet auch, regelmäßig sehr viel über Themen zu lernen, von denen man gestern noch nicht wusste, dass es sie gibt.

Welche Unterstützung aus unserem Netzwerk kann Euch dabei helfen noch weiter zu wachsen?

Für unser weiteres Wachstum helfen uns vor allem die richtigen Verbindungen zu Schulverantwortlichen, Schulträgern und Entscheider*innen, die Schule nicht nur verwalten, sondern weiterdenken wollen.

VPO wird bereits an Schulen in ganz Deutschland und darüber hinaus eingesetzt. Der nächste Schritt ist, noch mehr Schulen zu erreichen und gleichzeitig mitzugestalten, wie KI und Automatisierung künftig sinnvoll in der Schulorganisation eingesetzt werden können.

Dafür sind Kontakte zu strategischen Partnern besonders wertvoll. Wir brauchen dabei nicht möglichst viele Kontakte, sondern die richtigen. Norddeutsch gesagt: lieber ein guter Draht als zehn lose Verbindungen.

Sie wollen noch mehr über VPO Vertretungsplanung erfahren oder können das Start-Up mit Ihrem Netzwerk und Know-how unterstützen?

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